Alan Sparhawk | White Roses, My God
Alan Sparhawk ist vor allem als eine Hälfte des Duos Low bekannt, das seit Jahrzehnten herausragenden Slowcore produziert und in den letzten fünf Jahren einen fast unvorstellbaren kreativen Rausch erlebte und zwei seiner stärksten und genreübergreifendsten Alben veröffentlichte: „Double Negative“ und „Hey What!“. Leider waren dies auch die letzten beiden Alben des Duos, da die andere Hälfte des Duos, Mimi Parker – nicht nur eine kreative Partnerin, sondern auch Alans Ehefrau – verstorben ist. Eine Frau mit einer einzigartigen, zarten Stimme und ein entscheidender Teil dessen, wofür Low stand. Daher ist es nur natürlich, dass Low auf Eis gelegt wurde. Die Musik jedoch zum Glück nicht.
Auch auf seinem neuen Album lotet Alan Sparhawk neue musikalische Ecken aus. Das Album entstand in einem Prozess, der chaotisch erscheinen kann. Insbesondere durch improvisiertes Spiel mit Synthesizern, einem Instrument, mit dem er im Laufe der Jahre nicht viel gespielt hat. Doch die improvisierten Experimente nahmen langsam Gestalt an, als ob sich echte Songstrukturen von selbst drängten und herauskommen mussten. Alan selbst beschreibt „White Roses, My God“ als einen Exorzismus, der nicht darauf abzielt, den Geist zu vertreiben, sondern ihn freizusetzen.
„White Roses, My God“ fühlt sich in vielerlei Hinsicht wie ein harter Bruch mit der Vergangenheit an. Fast wie ein Debüt. Und doch sind drei Jahrzehnte Erfahrung nicht zu verachten. Alan mag zwar musikalische Grenzen überschreiten und ausgetretene Pfade verlassen, aber man hat nie Zweifel daran, dass dies der richtige Weg für ihn ist.