Morphine | Cocoon
Als der Grunge auf seinem Höhepunkt war, klang Morphine wie keine andere Band. Das Trio aus Boston schuf sein ganz eigenes, unverwechselbares und fesselndes musikalisches Universum, das Frontmann Mark Sandman als „Low Rock“ bezeichnete. Das Klangbild basierte auf Sandmans zweisaitigem Slide-Bass und seinem charakteristischen Gesang, Dana Colleys Bariton- und Tenorsaxophon sowie dem minimalistischen Schlagzeugspiel von Jerome Deupree und Billy Conway. Morphine wurde zu einer der markantesten Kultbands der 90er Jahre, doch die Geschichte fand 1999 ein jähes Ende, als Sandman während eines Konzerts in Italien an einem Herzinfarkt auf der Bühne verstarb.
Mehr als 25 Jahre später setzt „Cocoon“ einen bemerkenswerten Schlusspunkt unter die Geschichte der Band. Die acht Titel des Albums wurden während der Studiosessions von Morphine Ende der 90er Jahre aufgenommen, doch Sandman entschied sich damals, das Material beiseitezulegen, während die Band an dem arbeitete, was ihr letztes Album werden sollte.
Jahrzehnte später wurden die Aufnahmen in den Archiven der Band wiederentdeckt. Sandmans Lebensgefährtin und Verwalterin des musikalischen Erbes von Morphine, Sabine Hrechdakian, tat sich mit dem Produzenten Paul Q. Kolderie (Radiohead, Pixies) zusammen, um die originalen Masterbänder zu überspielen und die Aufnahmen behutsam zu einem stimmigen Album zusammenzufügen. Dana Colley kehrte zurück, um neue Saxophonpassagen einzuspielen, während Kolderie für neue Mixe der Titel sorgte.
„Cocoon“ ist daher weit mehr als nur eine Sammlung von Demos und unveröffentlichten Aufnahmen. Es ist ein vollendetes Morphine-Album, das eine Band in ständiger musikalischer Entwicklung dokumentiert – und das auf bemerkenswerte Weise fast drei Jahrzehnte darauf gewartet hat, endlich das Licht der Welt zu erblicken.