Molchat Doma | Belaya Polosa
Die weißrussische Post-Punk-/Synth-Pop-Gruppe Molchat Doma hat schon immer eine brutalistische Ästhetik in der Architektur verströmt, die ihre Albumcover ziert. Sie ist kalt, grau, imposant, industriell – und doch schlagen in ihren Fundamenten menschliche Herzen.
Molchat Doma gewannen Anhänger mit früheren Alben, die wie Raubkopien verbotener Aufnahmen aus dem Ostblock in dritter Generation klingen, die entstanden, nachdem einige wichtige Einträge im Katalog von Factory Records aus dem Westen eingeschmuggelt worden waren. „Belaya Polosa“ treibt sie in eine neue Richtung, behält aber gleichzeitig ihre kalte, minimalistische Darbietung bei, für die sie bekannt sind. Der Kellerschmutz und der dreckige Tonkopfsound ihrer früheren Arbeiten machen nun Platz für digitalen Glanz und schimmernde Produktionswerte. Es ist ein Zeugnis des Wandels in schwierigen Zeiten, ein Liebesbrief an den digitalen Puls der 90er und eine Technicolor-Neuinterpretation der düsteren Dancefloor-Hymnen der Band.
Und während Molchat Domas erweitertes Klangspektrum „Belaya Polosa“ eine synästhetische Kraft verleiht, bleibt die Stimmung in einer krassen und unerschrockenen Selbstreflexion verwurzelt. Molchat Doma behalten die Dualität bei, sowohl kalt als auch fieberhaft in ihrer Darbietung zu sein, während sie ihre Musik durch ein Arsenal neuer Texturen in erweiterte Bereiche vorstoßen. Das Trio nutzt weiterhin den Klang erschütternder Schönheit, die unter harten Realitäten gedeiht.