Cate Le Bon | Michaelangelo Dying
„Michelangelo Dying“, Cate Le Bons siebtes Album, entstand aus purer Emotion und überlagerte die Arbeit, die sie zu leisten glaubte. Das Ergebnis eines alles verzehrenden Liebeskummers, dessen Emotionen ihre Abneigung, ein Album über die Liebe zu schreiben, überlagerten und so zu einer Art Exorzismus wurden. Das Ergebnis ist ein wunderbar schillernder Versuch, eine Wunde zu fotografieren, bevor sie heilt, und gleichzeitig an ihr herumzustochern.
Musikalisch ist das Album eine Weiterentwicklung und Erweiterung eines Klanguniversums – einer Maschine mit Herz –, das im Laufe ihrer beiden vorherigen Alben („Reward“ von 2019 und „Pompeii“ von 2022) Gestalt angenommen hat, wobei Le Bon sowohl Aufnahme als auch Produktion zunehmend selbst übernimmt. Wenn Gitarren und Saxophone durch Pedale geschickt und Schlagzeug und Gesang gefiltert werden, entsteht ein schillernder, grüner und seidiger Klang, unter dessen Oberfläche Anklänge an Künstlergrößen wie David Bowie, Nico, John McGeoch und Laurie Anderson auftauchen und wieder verschwinden.
Was bleibt, ist ein sich ständig veränderndes, stimmiges Ganzes. Eine Art Liederzyklus. Jede Wiederholung spiegelt die vorherige wider und entwickelt sie weiter, „jede eine Scherbe desselben zerbrochenen Spiegels“. Je nach Lichteinfall verschiebt, schimmert, verbirgt und enthüllt es. Am Ende, sagt Cate, gibt es „keine Enthüllungen. Keine Schlussfolgerungen. Es gibt keinen Sinn. Es gibt Wiederholungen und Chaos. Ich habe mir endlich einen leeren Geisteszustand erlaubt, um es ohne Widerstand zu erleben und ohne darin nach Sinn oder Ordnung zu suchen.“
Eine Studie über die unmittelbare Körperlichkeit von Leben, Liebe und Menschlichkeit – für Hörer und Künstler gleichermaßen. „Michelangelo Dying“ kennt das Gefühl, gehalten zu werden, gehalten zu werden und unbeschreiblich tief allein zu sein. „Die Figuren sind austauschbar“, schließt Cate, „aber am Ende bin ich es, der mir selbst begegnet.“