Tyler, The Creator | Chromakopia
Als Tyler, The Creator CHROMAKOPIA veröffentlichte, tauchte er völlig in sein bisher ambitioniertestes Klanguniversum ein. Das Album erschien nach einer kurzen, kryptischen Veröffentlichungsphase, die mit dem mysteriösen „ST. CHROMA“-Teaser begann. Das Projekt war zugleich Höhepunkt und Neuerfindung – ein Künstler, der Bilanz zieht.
Komplett von Tyler Okonma geschrieben, produziert und arrangiert, schöpft CHROMAKOPIA aus allen Facetten seiner kreativen Entwicklung. Das Album präsentiert eine breite Palette an Gastauftritten – darunter Daniel Caesar, Doechii, GloRilla, Lil Wayne, Schoolboy Q und Teezo Touchdown – bleibt aber unverkennbar Tylers eigene Vision. Mit seiner umfangreichen Tracklist verbindet es die introspektive Wärme von Flower Boy und Igor mit der selbstbewussten Struktur von Call Me If You Get Lost und zerstört dabei mutig diese Balance in etwas Unvorhersehbares und zutiefst Menschliches.
Konzeptionell entfaltet sich CHROMAKOPIA als persönliche Erinnerung, erzählt durch Klang. Teilweise von Tylers Mutter Bonita Smith erzählt, zeichnet das Album das Porträt eines Lebens im Wandel – geprägt von Zweifel, Stolz, Trauer und Versöhnung. Musikalisch ist es zugleich expansiv und rastlos. Gitarrengetriebene Rockpassagen prallen auf orchestrale Verzierungen, Gospelchöre münden in Synthie-Pop-Breakdowns und Hip-Hop-Beats tauchen auf – nur um Augenblicke später wieder dekonstruiert zu werden. Das Ergebnis ist ein Album, das sich ebenso wie eine Collage wie ein Geständnis anfühlt.
Während „Igor“ die Transformation romantisierte und „Call Me If You Get Lost“ in Selbstsicherheit schwelgte, stellt CHROMAKOPIA die Frage, was nach unzähligen Höhen kommt: Unsicherheit, Nostalgie und kreative Unruhe. Keine Siegesrunde, sondern ein Wiedererwachen.